„Ich hab gehört, wenn die Eltern öfter als dreimal pro Woche streiten, heißt das, dass sie sich scheiden lassen.”
„Genau. Und dann musst du einem Richter sagen, bei wem du wohnen willst.”
„Ja. Aber die Julia sagt, Scheidung ist im Gesetz verboten, wenn die Kinder jünger als acht sind, habt ihr das gewusst?”
- Gespräch zwischen drei Volksschülerinnen in einer Wiener U-Bahn -

 

Kinder sind heute häufig mit elterlicher Trennung konfrontiert, sei es in der eigenen Familie oder in jener von FreundInnen oder SchulkollegInnen. Dennoch wissen wir nur sehr wenig darüber, wie Volksschulkinder in ihren Gleichaltrigengruppen über Scheidung kommunizieren, welche (Fehl-)Informationen oder welche Konzepte sie darüber austauschen. Es gibt aber Hinweise, dass Irrtümer und überzeichnete Vorstellungen bestehen, die Unsicherheit erzeugen können.

Das Projekt SMILE erforscht mit 8- bis 10-jährigen SchülerInnen ihre Konzepte und Kommunikationsprozesse über elterliche Trennung und verwendet einen partizipativen und innovativen methodischen Zugang: Concept Cartoons - Illustrationen, die Alltagssituationen zeigen und unterschiedliche Standpunkte verschiedener Charaktere darstellen - werden erstmals in der sozialwissenschaftlichen Forschung verwendet. Die Studie erforscht nicht, was einzelne Kinder über die Scheidung ihrer eigenen Eltern denken, sondern bezieht alle Kinder einer Klasse mit ein.

Im Rahmen eines most different cases design wurde eine städtische und eine ländliche Region Österreichs ausgewählt: Wir forschen mit Kindern an einer Wiener und einer Tiroler Schule. Die SchülerInnen sind am gesamten Forschungsprozess beteiligt (Entwicklung der Concept Cartoons, Diskussion in Kleingruppen, Verbreitung der Forschungsergebnisse). Gemeinsam erstellte Informations- und Unterrichtsmaterialien sowie die mediale und wissenschaftliche Verbreitung der Ergebnisse gewährleisten den Wissenstransfer im Sinne nachhaltiger Wirksamkeit des Projekts. Zusätzlich finden Diskussionswerkstätten mit Eltern, Großeltern, LehrerInnen und Interessierten sowie die Abschlussveranstaltung „SMILE goes public” statt.

Projektleitung: Assoz. Prof. Dr. Ulrike Zartler, PD

Projektmitarbeit: Mag. Raphaela Kogler, MA und Lic. Marlies Zuccato-Doutlik, MA