„Ich hab gehört, wenn die Eltern öfter als dreimal pro Woche streiten, heißt das, dass sie sich scheiden lassen.”
„Genau. Und dann musst du einem Richter sagen, bei wem du wohnen willst."
„Ja. Aber die Julia sagt, Scheidung ist im Gesetz verboten, wenn die Kinder jünger als acht sind, habt ihr das gewusst?”

- Gespräch zwischen drei Volksschülerinnen in einer Wiener U-Bahn -

Kinder sind heute häufig mit elterlicher Trennung konfrontiert, sei es in der eigenen Familie oder in jener von Freund*innen oder Schulkolleg*innen. Dennoch wissen wir nur sehr wenig darüber, wie Volksschulkinder in ihren Gleichaltrigengruppen über Scheidung kommunizieren, welche (Fehl-)Informationen oder welche Konzepte sie darüber austauschen. Es gibt aber Hinweise, dass Irrtümer und überzeichnete Vorstellungen bestehen, die Unsicherheit erzeugen können.

Um Konzepte 8- bis 10-jähriger Schüler*innen über elterliche Trennung zu erforschen, wurde zwischen September 2017 und August 2019 das Projekt SMiLE durchgeführt (gefördert vom BMWF im Programm Sparkling Science). Ziel war es herauszufinden, wie Kinder über Scheidung kommunizieren, welche (Fehl-)Informationen oder welche Konzepte über rechtliche Regelungen sie austauschen. Dabei verwendete das Projekt einen partizipativen und innovativen methodischen Zugang: Concept Cartoons - Illustrationen, die Alltagssituationen zeigen und unterschiedliche Standpunkte verschiedener Charaktere darstellen - wurden erstmals in der sozialwissenschaftlichen Forschung verwendet.

Das Nachfolgeprojekt CoCa, welches im Mai 2021 startete (gefördert vom Jubiläumsfonds der OeNB), verfolgt denselben methodischen Zugang und legt diesmal den Schwerpunkt auf Nachscheidungsfamilien. Es soll herausgefunden werden, wie Kinder in ihren Gleichaltrigengruppen über Nachscheidungsfamilien kommunizieren, wie sie diese konzipieren, woher sie ihr Wissen beziehen und welche (Vor-)Urteile und (Fehl-)Informationen sie austauschen.

Im Rahmen eines most different cases design wurde für beide Projekte eine städtische und eine ländliche Region Österreichs ausgewählt: Wir forsch(t)en mit Kindern an jeweils einer Wiener und einer Tiroler Schule. Die Schüler*innen sind bzw. waren dabei am gesamten Forschungsprozess beteiligt (Entwicklung der Concept Cartoons, Diskussion in Kleingruppen, Verbreitung der Forschungsergebnisse).

Projektleitung: Assoz. Prof. Dr. Ulrike Zartler, PD

Projektmitarbeit: Sabine Harter, BEd BA (CoCa), Viktoria Parisot, BA MA (CoCa), Mag. Raphaela Kogler, MA (SMiLE und CoCa; in Karenz) und Lic. Marlies Zuccato-Doutlik, MA (SMiLE)